Ein Arbeitstag der geprägt war von sehr viel Arbeit. Kleine Randerscheinungen die ärgern. Der blaublütige Doc, der immer meint wir wären alle grenzdebil und nur er hat die Weisheit mit Löffeln gefressen. Irgendwann, wenn bei seiner Altersangabe auch eine 3 vorne steht, wird er hoffentlich begreifen, das ein akademischer Titel nicht alles ist. Die besondere Sorte MTAs in diesem Haus, die sich sehr oft, wie auch heute, das Recht rausnehmen Krankenschwestern anzubrüllen. Meine Kollegin, die Tränen in den Augen hatte. Patienten, die unzufrieden sind aber nicht artikulieren können wieso. Eine aufgebrachte Mutter eines Teenagers, die in der Verwaltung tätig ist und meinte es wären untragbare Zustände, weil ihr Kind in einem 4Bettzimmer liegt und das nicht zumutbar wäre. Nachdem ich gegen halb neun den fünften Zugang des Nachmittages aufgenommen hatte, wir unmengen an Blut in den OP getragen hatte, wo um das überleben einer 85 jährigen Patientin gekämpft wurde und ich nicht mehr genau wusste was ich den ganzen Tag eigentlich getrieben habe, stellte sich mir mal wieder die Frage in was für einer Welt viele leben und was sie glauben was Krankenschwestern eigentlich den ganzen Tag so machen. Ausser stricken, Kaffee trinken und rauchen vermutlich nicht viel.
Avalon71 - 25. Jul, 22:05
Meine Gefühle fahren zur Zeit Achterbahn. Momente und Tage wo es mir gut geht, dann rast die Bahn wieder in Tiefen hinab, die ein ganz bescheidenes Gefühl im Bauch hinterlassen. Stimmungen so unterschiedlich wie gerade das Wetter. Wenn ich ehrlich zu mir bin und ganz tief in mich hineinhorche, dann weiß ich was die Seele wünscht. Aber Wünsche kann man nicht am Fahrkartenschalter kaufen.
Avalon71 - 24. Jul, 11:28
Als wir den Raum betraten war ich überrascht. Wir waren nur hier gelandet, weil nebenan es voll war. Vor dem Kino noch etwas trinken, essen und Zeit zum reden haben. Der Wartehallencharakter war weg, eine sehr lange Theke, kleine Nischen, Sofas, Ledersessel. gedämpftes Licht, Soulmusik im Hintergrund. Ich liess mich in ein Sofa sinken, schaute, und fühlte mich gleich wohl. Keine 0815-Kneipe mehr, sondern ein Platz wo man es länger aushalten kann. Die Bedienung kam, grinste mich frech an und sagte " einen Milchkaffee, oder willst du auch noch was anderes?" Ich musste lachen, erkannte ihn. Er hat in einer Kneipe gearbeitet, wo ich vor Jahren gerne hingegangen bin. Dann wechselte der Besitzer, das Ambiente und ich bin dort nicht mehr hingegangen. Erinnerungen kamen hoch, Einnerungen an alles mögliche. Ein ganz grauenhaftes Date, ein langer Abend auf dem Riesensofa das dort stand, eine Bedienung die sich nicht traute den Mann und mich in unserer Zweisamkeit dort zu stören. Nachmittage mit der besten Freundin, viel Kaffee und langen Gesprächen. "Du hast da und da mal gearbeitet " sagte ich, lächle, "vorhin war ich mir nicht sicher als ich dich gesehen habe ob du es bist" Wobei er eigentlich nicht zu übersehen ist, extrovertiert, immer sehr stylisch, für jeden weiblichen Gast immer ein Gespräch und einen Scherz auf den Lippen. " Genau" sagt er, " du hast immer Milchkaffee getrunken, ohne Ausnahme, und warst oft mit deiner Freundin da" Gestern Abend habe ich dann aber doch was anderes getrunken und festgestellt, das diese Stadt, die sich Großstadt schimpft, doch auch nur ein Dorf ist.
Avalon71 - 22. Jul, 17:05
Inzwischen ist es fast zu einem Ritual geworden. Der Nachmittag gehört der besten Freundin und mir.Selten das wir es in der Woche schaffen uns zu sehen. Wir sitzen irgendwo, trinken Kaffee, erzählen, holen nach was wir die Woche über nicht durchhecheln konnten. Über Gott und die Welt, die Männer, die Menschen um uns herum, das Krankenhaus und all das was gerade Thema ist. Die eine sieht der anderen an wie es ihr geht, merkt nach drei Sätzen spätestens wie es um das Seelenleben gerade bestellt ist. Wir lachen, sind ernst, beschimpfen uns und all das ist mit den Jahren so vertraut geworden, das ich es niemals missen möchte.
Avalon71 - 20. Jul, 20:42
Jetzt fühle ich nur noch bleiernde Müdigkeit und die Gewissheit die nächsten Tage kein Krankenhaus mehr sehen zu müssen. Ausschlafen. Zeit haben. Keinen Druck. Weniger Gedanken. Genießen.
Avalon71 - 19. Jul, 21:22
Ich bin genervt ohne Ende und froh und dankbar wenn morgen das Wochenende beginnt. Manchmal frage ich mich ob es noch normale Menschen auf dieser Welt gibt. Sollte sie es geben dann landen sie definitiv nicht dort wo ich arbeite. Ich habe es so satt, ich kann dieses ganze Pack nicht mehr sehen. Diese ganzen Asozialen, die meinen, jede Krankenschwester ist ihr deluxe Fußabtreter, die nie Benehmen gelernt haben und die ihre Dummheit und Selbstgefälligkeit als Selbstverständnis leben. Ich könnte heulen vor Wut und Ohnmacht.
Avalon71 - 18. Jul, 16:05
In Ermangelung von Söhnen hat mein Vater seinen Töchtern das ein oder andere zum Thema Handwerken beigebracht und diesem ganzen Männerkram wichtigen Dingen, die Frau so braucht um durchs Leben zu kommen. Heute, bin ich mir sicher, hat er sich im Grabe rumgedreht, als er gesehen hat was seine Älteste so treibt.
Frau Avalon liebt Altbauwohnungen, ihre ganz besonders. Sie hasst sie, wenn, wie heute, bestimmte Problemzonen Ärger machen. Die größte Problemzone ist die Schlafzimmeraussenwand. Auf Dauer hat da noch nichts dran gehalten. Der letzte Mann in ihrem Leben hatte die letzte Konstruktion ( Drahtseil ) für den Vorhang eigentlich sehr schön angebracht. Bis heute... als Notlösung hängt er jetzt ganz wunderbar mit Nägeln in die Wand geklopft da. Es sieht ganz furchtbar aus aber so haben die Nachbarn von gegenüber nicht mehr den Exklusivblick auf Frau Avalons Bett.
Also lautet die Wochenaufgabe in den nächsten Tagen, Baumärkte und Möbelhäuser abklappern um das Schienensystem zu finden das ihr vorschwebt. DIe Wochenendaufgabe wird sein, das ganze bei einer Raumhöhe von 3,40 m unter die Decke zu bekommen. Helau...
Avalon71 - 16. Jul, 16:57
Du fehlst mir. Es war meine Entscheidung, meine Vernunftsentscheidung, und doch vermisse ich dich. Diese schwachen Momente, wo du einfach da sein sollst, Momente wie gestern Nacht. Ich saß im Dunklem der Küche, habe geraucht, nachgedacht und mir doch nur gewünscht du bist da. Hälst mich, schweigst mit mir, streichelst meine Schmerzen weg. Augenblicke von Schwäche, die über mich herfallen mit voller Wucht. Wo das Sehnen größer ist als alles andere.
Avalon71 - 15. Jul, 10:33