Manchmal gerate ich in Situationen, wo ich einfach nicht anders kann. Da merke ich sehr schnell, das es in mir anfängt zu brodeln, ich meine Meinung loswerden muss, sonst ersticke ich daran. Auch wenn mir bewusst ist, das spätens nach Ende meines Statements das Schuldschild auf meiner Stirn in den grellsten Neonfarben blinken wird. Zweimal ist das diese Woche passiert und auch wie jedesmal weiß ich, das mein Gewissen mich anschliessend plagt. Hättest du besser nichts gesagt? Hättest du es besser formulieren können? Hättest du es anders machen können? Hättest du dies und hättest du das... die Fragen sind die selben und die Antwort auch. Das Gewissen muss es aushalten und wird es auch weiterhin. Meinungen, meine Meinung darf auch mal unbequem sein. Und besser als ersticken ist es allemal.
Avalon71 - 13. Jul, 22:24
Es ist fast dunkel, als ich im strömenden Regen nach Hause fahre. Die Lichter der anderen Autos blenden, mir ist kalt und ich bin ungeduldig, will nur noch heim. Zu spät um noch irgendetwas zu machen. Die Anspannung der Arbeit noch nicht hinter sich gelassen, gleichzeitig müde und aufgedreht. Oft ein Gefühl des Verlorenseins, die Frage "was nun?" Duschen oder baden und meisstens dann ins Bett ohne besonders ruhig geworden zu sein. Ein Buch das mich ablenkt, vermischt mit den Gedanken des Tages. Nicht schlafen wollen, noch Zeit haben, egal wie spät es ist, egal nur nicht den Tag nach der Arbeit gleich enden lassen.
Avalon71 - 10. Jul, 22:26
Bestimmte Dinge schiebe ich immer vor mir her. Eins dieser Dinge ist diese Schublade
es wird dann zum Gewaltakt alles zu ordnen
und wie jedes Jahr schwöre ich mir immer alles gleich abzuheften

Avalon71 - 9. Jul, 15:59
Mein besonderer Dank gilt heute den Dumpfbacken, die Nachts ein Krankenhaus aufsuchen, sich zielsicher an der Notaufnahme vorbeischleichen, mehrere Stockwerke erklimmen um dann um drei Minuten vor vier sich auf einen Stationsflur stellen und laut HALLO rufen. Schwester Avalon war kurz vorm Herzinfarkt, hatte eine Adrenalinausschüttung wie lange nicht mehr und war dann nur noch sauer. Die alte Dame die neben dem Büro jede Nacht schläft weil sie Angstzustände und böse Halluzinationen hat und panisch wird wenn sie mich nicht sehen oder hören kann und bis dato seelig schlummerte war wach. Und anschliessend wieder völlig durcheinander und aufgeregt. Da stehen da drei Gestalten und schreien etwas von einem Notfall. Der sah dann so aus dann ein Patschehändchen blutete. Weder hat was gespritzt noch getropft, einfach nur etwas Blut. Nochmals vielen Dank.
Avalon71 - 6. Jul, 14:36
Ich höre eine Stimme, brauche einen Moment um sie einzuordnen. Nachdem in den letzten Tagen ab und zu eine mail von ihm kam, ist er am Telefon. Ich bin überrascht, irritiert, freue mich. Er hört sich gut an, scherzt, erzählt. Gradlinig wie immer erzählt er von seinem Leben, Job, Kinder, Freundin, Eltern. Und du Hase, sagt er, machst wieder Blödsinn? Ich erzähle vom Jetzt, von dem was mich bewegt und wie schwer ich es mir selber oft mache.
Wir lachen, scherzen und es fühlt sich nicht fremd an, nicht so, als hätten wir uns ewig nicht gehört. Erst als wir uns verabschieden werden die Worte schwer. Keiner von uns beiden weiß so recht was er sagen soll. Bis irgendwann mal wieder?
Ich bin am Lächeln als ein paar Minuten später eine mail von ihm kommt und merke wie anziehend und interessant er mich immer noch findet. Keine Zukunft, nichts was sich nochmal anbahnen könnte. Es schmeichelt der Seele und dem Ego.
Avalon71 - 4. Jul, 16:07
Die Tage war ich mal wieder ziemlich enttäuscht. Ein Blick auf den Kontoauszug und wieder war nichts über. Ich schaue inzwischen so sehr, überlege wo ich noch etwas sparen kann und doch bleibt nichts über. Es geht nicht um die großen Dinge die für mich Luxus bedeuten, mein Lieblingskaffee, Bücher die ich kaufen kann, die kleinen Dinge die den Alltag versüssen. Für eine Frau besitze ich wenig und nicht teure Kleidung, Essen gehen ist selten geworden aber auf alles kann und will ich nicht verzichten. Ich schaue viel mehr als früher auf Preise, achte auf mein Konsumverhalten und doch bleibt nichts über. Dinge die auf meiner Wunschliste stehen, wenn es um materiellen Luxus geht, sind nicht aussergewöhnlich. Eine neue Matratze, eine Küchenspüle mit Arbeitsplatte, Vorhänge fürs Schlafzimmer. Und doch verschiebe ich sie Monat für Monat. Das Geld ist alle, es zerinnt mir zwischen den Fingern und langsam gehen mir die Ideen aus was ich noch tun kann.
Avalon71 - 3. Jul, 19:33
Glasperlenspiel
Zwei Glasmurmeln
aus dem Kinderspiel
in einem Weinglas
-ganz zart und dünn-
so schön verziert und
so zerbrechlich.
Das sind wir,
das ist unsere Gemeinschaft,
aus der wir trinken
den süßen und den bitteren Wein.
aus: Trotz alledem von Kristiane Allert-Wybranietz
Avalon71 - 1. Jul, 22:17
Sie laufen mir immer wieder über den Weg. Frauen, die schon mit einem Heiligenschein auf die Welt gekommen sind. Sie zeichnen sich durch so vieles aus, Zu gut für diese Welt. Perfekt und mit leiser säuselnder Stimme lassen sie dich wissen wie unzulänglich du selber bist. SIe haben immer einen Doppelnamen, treten vorwiegend in ökologisch wertvoller Kleidung auf und ihr Heiligenschein scheint von von weitem. Irgendwann werde ich es lernen meinen Mund zu halten, nicht versuchen zu diskutieren und meine Nerven zu schonen.
Avalon71 - 28. Jun, 18:07